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Übergabe des neuen Narrenbuchs

Wenn in Stockach ein neues Narren- buch übergeben wird, ist das mehr als ein formeller Akt – es ist ein Moment, in dem Geschichte, Handwerk und Herzblut aufeinandertreffen. Mit dem inzwischen neunten Narrenbuch erhält das Narrengericht ein weiteres würdiges Kapitel seiner lebendigen Tradition, die Generationen von Narren, Bürgern und Liebhabern der Fasnacht miteinander verbindet. echter Verbundenheit mit diesem besonderen Brauch. Tausende solcher Einträge erzählen von Lebensfreude, Tradition und dem Stolz, Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Gestiftet vom Südkurier Medienhaus setzt das neue Buch eine lange Reihe fort, die bereits vor Jahrhunderten begonnen hat. Schon das erste Narrenbuch von 1791 zeugt von der tiefen Verwurzelung dieses Brauchs, der seine Wurzeln sogar im Mittelalter hat. Der Legende nach war es der Hofnarr Kuony von Stocken, der den Stockachern einst ein besonderes Privileg erwirkte – ein Recht, das zur Grundlage des Narrengerichts wurde und bis heute die Fasnacht in Stockach so einzigartig macht. Am 25. November wurde das neue Buch feierlich übergeben – von Südkurier-Geschäftsführer und Laufnarr David Lämmel an Narren- richter Jürgen Koterzyna. Seinen ersten großen öffentlichen Auftritt wird es am Dreikönigstag 2026 bei der ersten Narrenversammlung haben, wenn ganz Stockach spürt: Jetzt beginnt die Fas- nacht, auf ihre eigene, unverwechselbare Weise. Das Narrenbuch ist dabei weit mehr als eine Sammlung von Namen. Es ist ein Spiegel der Menschen, die sich mit einem Augenzwinkern, mit Humor und oft auch mit tiefgründiger Poesie verewigen. Jeder Laufnarr trägt sich mit ei- nem persönlichen Spruch ein – manchmal witzig, manchmal nachdenklich, immer aber Ausdruck Auch künstlerisch ist jedes Narrenbuch ein kleines Kunstwerk. Handgemalte Grafiken regionaler Künstler eröffnen die einzelnen Jahre und ma- chen jedes Exemplar zu einem Unikat. Mit viel Liebe zum Detail, goldenem Prägedruck, edlem Ledereinband und kunstvoll gestalteten Introseiten entstand das neue Werk in enger Zusammenarbeit regionaler Handwerksbetriebe – von der Buchbinderei Gaupmann Rösch bis zur Werbeagentur Vollmer. Man spürt jeder Seite an, wie viel Sorgfalt und Hingabe in diesem Buch steckt. Der Laufnarrenschlag selbst ist ein feierlicher Moment: Mit Eid, Eintrag und einem symbolischen Obolus beginnt die närrische Laufbahn. Die zweizipflige Narrenkappe und das Abzeichen sind sichtbare Zeichen, doch das wahre Symbol bleibt der Platz im Narrenbuch – ein stilles Versprechen, Teil einer Geschichte zu sein, die größer ist als der Einzelne. So ist das neue Narrenbuch nicht nur ein Archiv, sondern ein lebendiges Zeugnis gelebter Kultur. Jede Seite schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen alten Überlieferungen und neuen Stimmen. Und während bereits die ersten freien Seiten auf ihre Worte warten, bleibt die Hoffnung, dass noch viele Generationen von Laufnarren ihre Spuren darin hinterlassen – mit Humor, Würde und einem Herzen voller Fasnacht.