Urteil: Schuldig in allen drei Klagepunkten
Der Beklagte muss als Strafe dafür an das Narrengericht zwei und einen halben Eimer Wein liefern. Ein Eimer umfasst 60 Liter, das sind in Summe 150 Liter Wein – höchster Qualität. Bei der Qualität bauen wir auf die Wirtschaftskraft Bayerns.
Das Gericht ist zudem der Auffassung, dass Sozialstunden (auch wenn sie dringend geboten wären) speziell bei diesem Beklagten nichts bringen würden. Daher kommen wir dem Beklagten entgegen und würden uns unter Umständen bereiterklären, eine Einladung des Beklagten auf das Münchner Oktoberfest nicht auszuschlagen, damit er mit uns gemeinsam auf die Wiesn gehen darf
Was für intensive Wochen liegen hinter uns. Mit unserem Jubiläum und dem damit verbundenen Narrentreffen, sowie mit der Narrengerichtsverhandlung gegen Markus Söder am Schmotzige Dunschtig hatten wir gleich zwei Highlights in dieser doch sehr kurzen Fasnet 2026.
In der ARD Mediathek kann man die Verhandlung, das Narrentreffen und den Treffpunkt dazu noch mal in bewegtem Bild Revue passieren lassen. Die Bilder von Dreikönig, dem Fasnetseröffnen und dem Schmotzige Dunnschtig gibt es hier.
Das Stockacher Narrengericht geht zurück auf ein Privileg, das Hans-Kuony im Jahr 1351 erhalten haben soll. Aus diesem Privileg hat sich das heutige Narrengericht entwickelt. Das Kollegium besteht heute aus maximal 21 Gerichtsnarren.
Laufnarrenschlag, Gerichtsverhandlung, Narrebomm-Setze - unser Brauchtum ist vielfältig und interessant. Hier gibt es einige Infos dazu. Das Beste ist aber immer noch: Eifach is Häs nei schlupfe und emol mit debei sei.
Die Stockacher Fasnacht ist nicht wie eine klassische Narrenzunft organisiert. Das Narrengericht fungiert zwar als oberstes Gremium, die einzelnen Gruppierungen (Althistorische Zimmerergilde, Hänselegruppe, Aktive Laufnarren, Altstockacherinnen, Marketenderinnen) – die sogenannten Gliederungen – sind aber als eigenständige Vereine aufgestellt.
Wichtiger Bestandteil der Stockacher Fasnacht ist der Laufnarrenschlag. Er geht zurück auf den Hauptbrief von 1351. Darin heißt es ausdrücklich, dass sich ein jeder, der sich zwischen "Maria Lichtmeß" und dem "Sonntag Lätare" in Stockach aufhält, beim Narrengericht einkaufen muss.
Am Montag erreichte uns die traurige Nachricht vom Tod unseres lieben und langjährigen Narrengerichtskollegen
Karl-Heinz "Bolle" Höre, der im Alter von 75 Jahren von uns gegangen ist. Mit ihm verlieren wir nicht nur einen verdienten Narren, sondern auch einen
außergewöhnlichen Menschen und treuen Freund.
Sein närrischer Weg in der Stockacher Fasnet begann früh: Bereits 1960 trat Karl-Heinz der Hänsele-Gruppe
Stockach bei. Von 1972 bis 1996 engagierte er sich dort im Hänselerat. Ab dem Jahr 1974 übernahm er zudem die Rolle seines Lebens, eine Rolle, die ihn weit über die Grenzen
der Zunft hinaus bekannt machte – er wurde Stockacher Narrenbüttel. Als Nachfolger von Hans Letzelter verkörperte er diese Figur ganze 22 Jahre lang mit dem ihm typischen
Charme.
1996 wurde Karl-Heinz dann ins Narrengericht berufen, dem er bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2016 mit Hingabe
und Loyalität diente. Zu seinen herausragenden Fähigkeiten gehörten das Organisieren und das ihm eigene „Strippenziehen". Als Narrenschreiber prägte er von
1996 bis 2011 das Kollegium und übernahm ab 2003 noch den Vorsitz des Ausschusses „Schweizerfeiertag“ – zu jener Zeit, als das Festzelt auf dem Dillplatz noch vier Tage
lang der Mittelpunkt des Stadtfestes war.
Eigentlich kannte ihn niemand so richtig unter seinem Vornamen. Er war allen viel besser als „Bolle“ bekannt.
Und so wollen wir ihn auch in Ernennung behalten, als wahren Narr und echten Freund, der zuweilen auch unverhohlen allen seine Meinung kundtat. Allen zum Wohl – keinen zum
Leid.
Wir trauern um einen verdienten Narren, einen herausragenden Menschen und einen guten Freund. Sein
Engagement und seine unverwechselbare Art werden uns fehlen.