Das Hohe Grobgünstige Narrengericht

das frühe narrengericht

Die Abhaltung dieses Narrengerichts wurde im Laufe der Zeit immer wieder verboten und ausgesetzt, doch bis heute hat sich dieser Brauch gehalten und etabliert. Früher wurden alle dummen und närrischen Streiche, alle menschlichen Schwächen und Torheiten übers Jahr gesammelt, aufgeschrieben und dann ohne Rücksicht abgehandelt. Im Mittelalter war dies am Aschermittwoch, später dann am Fasnachts- dienstag. Die "Missetaten" wurden öffentlich verlesen, gebührend glossiert und der Betroffene (damals war das der kleine Bürger) schonungslos dem Spott der Umstehenden preisgegeben.


Der Brauch artete manchmal recht übel aus und die vielgepriesene Narrenfreiheit schlug des öfteren ins Umgekehrte um. Das Narrengericht fand somit nicht immer die ungeteilte Begeisterung und wohlwollende Duldung der Obrigkeit, geschweige denn die der Einwohner und Betroffenen selbst.  


der heutige brauch

In der Mitte des 19. Jahrhunderts verschwand die Abhaltung des Narrengerichts ganz, nicht aber die Institution als solche. Das Kollegium betrachtete sich nun als Hüterin des Brauchtums und als Organisationskomitee. Als närrisch-juristische Institution trat das Stockacher Narrengericht erst im Jahr 1960 wieder an die Öffentlichkeit. In Singen wurde gegen den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Kurt-Georg Kiesinger verhandelt. Ab 1965 wurde dann mit Ausnahme des Jahres 1991 (Golfkrieg) jährlich gegen prominente Politikerinnen oder Politiker in Stockach verhandelt. 


Heute findet die närrische Gerichtsverhandlung am "Schmotzige Dunschtig" nach dem Narrenbaumsetzen um 17:00 Uhr in der Jahnhalle statt. Die Strafe erfolgt jeweils in Eimern Wein. Der Eimer misst ca. 60 l und ist ein altes Hohlmaß aus vorderösterreichischer Zeit. Seit einigen Jahren ist die Verhandlung am gleichen Abend in Ausschnitten im Dritten Programm des Landessenders Baden-Württemberg zu sehen.


Das Kollegium

Das Kollegium besteht satzungsgemäß aus maximal 21 Gerichtsnarren. An der Spitze steht der Narrenrichter. Er wird aus den Reihen des Kollegiums gewählt und gilt als "primus inter pares". Ihm zur Seite steht die weitere Vorstandschaft mit Laufnarrenvater, Narrenschreiber und dem Säckelmeister. Für die Mitgliedschaft im Kollegium kann man sich nicht bewerben. Wenn ein Sitz frei wird, wählen die Kollegen geheim und einstimmig einen Nachfolger. Dieser erfährt erst nach der Wahl von der Aufnahme in das Gremium. In schweißtreibenden nächtlichen Sitzungen zerbrechen sich die Gerichtsnarren regelmäßig ihre Köpfe. Nur gestärkt durch den Wein der Beklagten ringt das Kollegium um Entscheidungen rund um das Brauchtum der Stockemer Fasnet.